TCM bei Müdigkeit und Erschöpfung in Zürich
5. September 2026Hühnersuppe und Rindfleischsuppe nach TCM – stärkend durch den Winter
Jetzt im Herbst werden die Tage kürzer und kühler. Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist das die richtige Zeit, um sich für den Winter zu stärken: Die Energie zieht sich nach innen zurück, und der Körper braucht mehr Wärme und Substanz.
Zwei klassische Rezepte aus der chinesischen Ernährungslehre eignen sich dafür besonders: die Hühnersuppe und die Rindfleischsuppe mit Markknochen. Beide stärken die Abwehr und bauen das Blut auf. Sie finden die Rezepte unten, und zum Ausdrucken auch als PDF.
Warum die TCM auf lang gekochte Suppen setzt
In der Traditionellen Chinesischen Medizin gelten lang gekochte Hühner- und Knochensuppen als besonders wertvolle Nahrung, wenn die Energie fehlt und die Abwehr geschwächt ist. Sie stärken die Energie, bauen Blut und Säfte (Yin) auf und geben dem Körper Wärme (Yang) und Substanz zurück.
Der Grund liegt in der Zubereitung: Durch das stundenlange Köcheln ist die Suppe gewissermassen vorverdaut. Magen und Milz – in der TCM das Zentrum der Verdauung – müssen kaum Kraft aufwenden, um die Nahrung aufzuschliessen. Einen geschwächten Körper würde eine schwere, feste Mahlzeit überfordern. Eine warme Brühe dagegen nährt, ohne zu belasten.
Eine alte Tradition für die Zeit nach der Geburt
In China haben diese Suppen einen besonderen Platz, vor allem wenn es um die Erholung von Frauen nach der Geburt geht. Die Wochen nach der Entbindung gelten dort traditionell als die Zeit, in der eine Frau am meisten Schutz braucht: Durch die Geburt verliert der Körper viel Blut und Substanz (Yin und Jing).
Weil Blut und Energie in der TCM eng zusammenhängen, führt ein grosser Blutverlust auch zu einem Mangel an Lebenskraft. Die TCM spricht davon, das Blut wieder aufzufüllen (Bu Xue). Seit Generationen bekommen junge Mütter deshalb lang gekochte Hühner- oder Knochensuppen. Sie liefern Eiweiss, Mineralstoffe und Fett in einer Form, die der Körper leicht aufnehmen kann, und helfen, die leeren Speicher Schritt für Schritt wieder aufzufüllen – nach einer Geburt ebenso wie bei lang anhaltender Erschöpfung.
Nach Infekten und bei anhaltender Erschöpfung
Auch nach Virusinfekten wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber (EBV) oder Covid-19 sehe ich in der Praxis oft, dass nicht nur die Tagesenergie fehlt, sondern die tiefe Substanz angegriffen ist. Die Betroffenen leiden unter anhaltender Müdigkeit, Konzentrationsproblemen («Gehirnnebel») und schwachen Muskeln.
Aus Sicht der TCM kommen hier oft zwei Dinge zusammen: Die Grundenergie ist erschöpft, und gleichzeitig ist ein Rest des Infekts nicht ganz ausgeleitet (Yu Xie, verbliebener pathogener Faktor). Einen solchen Körper kann man nicht mit harten Mitteln reinigen – er muss behutsam genährt werden. Weil die Verdauungskraft bei Long Covid meist geschwächt ist, sind Rohkost und schwere Speisen ungünstig. Eine lang gekochte Suppe liefert Nährstoffe, ohne Magen und Darm zu belasten.
In der Praxis ergänze ich die Behandlung je nach Befund mit stärkenden Kräutern, etwa Huang Qi (Tragant) und Dang Shen für die Abwehrenergie oder Dang Gui und He Shou Wu für das Blut. Diese Kräuter gehören in eine individuelle Rezeptur: Ich stelle sie nach einer Abklärung für Sie zusammen, bezogen werden sie über Lian China Herb oder Complemedis. Bitte geben Sie sie nicht auf eigene Faust in die Suppe.
Anhaltende Erschöpfung nach einem Infekt sollte zuerst ärztlich abgeklärt werden. Wo meine Arbeit aufhört und ärztliche Hilfe gefragt ist, habe ich auf der Seite Grenzen der TCM beschrieben. Wie ich die Abwehr mit Akupunktur und Kräutern stärke, lesen Sie unter Immunsystem stärken mit TCM.
Die TCM-Hühnersuppe – sanft aufbauend und schonend für die Verdauung
Aus Sicht der Chinesischen Medizin gehören lang gekochte Hühnersuppen zu den bewährtesten Mitteln, um bei Erschöpfung und geschwächter Abwehr die Energie zu stärken und Blut und Säfte aufzubauen. Diese Variante wärmt die Mitte und nährt, ohne den Körper mit zu viel Fett zu belasten – ideal, wenn die Verdauung geschont werden muss oder Hitzewallungen im Vordergrund stehen.
Zutaten
Grundlage
- 1 Bio-Suppenhuhn – vor dem Kochen die Haut ganz abziehen, damit die Suppe nicht zu fett wird
- kaltes Wasser, so viel, dass alles gut bedeckt ist
Suppengemüse
- 2–3 Rüebli
- 1 Stück Knollensellerie
- 1 Stange Lauch
- 1–2 Petersilienwurzeln – geben eine feine, wärmende Würze und leiten Feuchtigkeit aus
- nach Belieben 1 kleine geschälte Rande in Scheiben – nährt das Blut und gibt der Suppe Tiefe
- je nach Saison 1 Stück Wirsing oder 1–3 Mangoldblätter
Gewürze
- 1 daumengrosses Stück Ingwer, angedrückt
- 2 Knoblauchzehen, angedrückt (können auch weggelassen werden)
- 1 gespickte Zwiebel: halbieren und mit einer Gewürznelke ein Lorbeerblatt daran feststecken
- einige schwarze Pfefferkörner und 3–4 Wacholderbeeren
- 2–3 Zweige Thymian und 1 Zweig Rosmarin (oder 1 Prise getrockneter Majoran)
- nach Belieben 1 Stück Kombu oder Wakame (Algen)
- wer ihn mag: 1 TL Koriandersamen
- 1 Bund Petersilie und Salz zum Schluss
Zubereitung
- Fett reduzieren: Das Huhn gründlich waschen und die Haut vollständig abziehen. Huhn nährt, die Haut ist aber sehr fettig. Zu viel Fett belastet aus Sicht der TCM die Milz, unser Verdauungszentrum, und kann feuchte Hitze erzeugen – bei Hitzewallungen ungünstig.
- Ansetzen: Das Huhn mit kaltem Wasser in einen grossen Topf geben, bis alles gut bedeckt ist, und aufkochen. Den Schaum vollständig abschöpfen.
- Gemüse und Gewürze zugeben: Das grob geschnittene Gemüse (Rüebli, Sellerie, Lauch, Petersilienwurzel, nach Belieben Rande, Wirsing oder Mangold), Ingwer, Knoblauch, die gespickte Zwiebel, Pfeffer, Wacholder, Thymian, Rosmarin und nach Belieben Algen und Koriandersamen dazugeben.
- Langsam köcheln: Die Hitze auf die niedrigste Stufe stellen und die Suppe mit leicht geöffnetem Deckel 2 bis 3 Stunden sanft köcheln lassen.
- Fertigstellen: Das Huhn herausnehmen und die Brühe durch ein Sieb giessen. Fettaugen mit einem Löffel abschöpfen. Nach Belieben das Fleisch von den Knochen zupfen und mit frischem Gemüse und der gehackten Petersilie zurück in die Brühe geben. Mit Salz abschmecken.
Die Rindfleischsuppe mit Markknochen – kräftig und tief nährend
Diese kräftige Knochenbrühe gilt in der TCM als eines der stärkendsten Nahrungsmittel. Sie nährt Yin, Blut und die Nieren-Essenz (Jing) – besonders wertvoll bei ausgeprägter Erschöpfung und in den Wechseljahren.
Zutaten
Grundlage
- 1–1,5 kg Rindsknochen: Markknochen und Knochen mit etwas Fleisch, zum Beispiel Beinscheiben
- 300–500 g mageres Siedfleisch, zum Beispiel Rindsbrust
- 2 EL Apfelessig
- kaltes Wasser
Suppengemüse
- 3 Rüebli
- 1 Stück Sellerie
- 1 Stange Lauch
- 1–2 Petersilienwurzeln
- nach Belieben 1 kleine Rande – nährt zusätzlich das Blut
- je nach Saison 1 Stück Wirsing oder 1–3 Mangoldblätter
Gewürze
- 1 grosses Stück frischer Ingwer, in Scheiben
- 2–3 Knoblauchzehen
- 1 Sternanis – wärmt das Nieren-Yang
- 1 Zimtstange – unterstützt die Verdauungswärme
- ganze schwarze Pfefferkörner
- 1 gespickte Zwiebel mit 1–2 Lorbeerblättern und einer Gewürznelke
- 2–3 Zweige Thymian und 1 Zweig Rosmarin
- nach Belieben 1 Stück Kombu oder Wakame (Algen)
- wer ihn mag: 1 TL Koriandersamen
- 1 Bund Petersilie und Salz zum Schluss
Zubereitung
- Knochen rösten: Die Rindsknochen auf einem Blech im Ofen bei 200 °C etwa 30 Minuten rösten, bis sie kräftig duften und braun sind. Warum: Rindfleisch und Knochen sind schwer und aufbauend. Das Rösten führt ihnen Wärme (Yang) zu. Die Suppe wird dadurch bekömmlicher und stärkt das Nieren-Yang, unsere Lebenswärme.
- Mit Essig wässern: Die gerösteten Knochen und das Siedfleisch in einen grossen Topf geben, mit kaltem Wasser auffüllen und den Apfelessig dazugeben. 30 Minuten ruhen lassen, ohne den Herd einzuschalten. Warum: Das kalte Wasser zieht Reste von Blut und Eiweiss sanft aus Knochen und Fleisch. In heissem Wasser würden sie sofort gerinnen und die Suppe trüb und schwer machen. Der Essig hilft, Mineralstoffe und Kollagen aus den Knochen zu lösen.
- Aufkochen und abschäumen: Den Topf langsam erwärmen und einmal kurz aufkochen. Den grauen Schaum sorgfältig mit einer Kelle abschöpfen. Warum: So bleibt eine klare, feine Brühe, die den Magen schont und nährt, ohne zu beschweren.
- Gemüse und Gewürze zugeben: Das grob geschnittene Gemüse (nach Belieben mit Rande, Wirsing oder Mangold), Ingwer, Knoblauch, Sternanis, Zimtstange, die gespickte Zwiebel, Pfefferkörner, Thymian, Rosmarin und nach Belieben Algen und Koriandersamen dazugeben.
- Lange auskochen: Die Suppe bei sehr kleiner Hitze 4 bis 6 Stunden leise köcheln lassen, gerne auch länger. Das Fleisch nach etwa 2 Stunden herausnehmen, sobald es weich ist, klein schneiden und später wieder dazugeben.
- Fertigstellen: Das Mark aus den Knochen lösen und in die Suppe rühren, die Knochen entsorgen. Die Brühe durch ein Sieb giessen, überschüssiges Fett abschöpfen, mit Salz abschmecken und mit gehackter Petersilie servieren.
Gemüse, die beide Suppen ergänzen
Wer das klassische Suppengemüse erweitern möchte, findet hier ein paar traditionelle Ergänzungen, die gut in beide Suppen passen:
- Fenchel (Knolle und Samen): neutral bis leicht wärmend, mit engem Bezug zu Magen und Milz. Er gibt der Brühe eine feine Süsse, beruhigt den Bauch und hilft bei Blähungen und Völlegefühl.
- Pastinake: eine gute Ergänzung zur Petersilienwurzel. Sie schmeckt nussig-süsslich, ist leicht verdaulich und nährt sanft, ohne zu belasten.
- Stangensellerie (statt oder zusätzlich zum Knollensellerie): bringt Frische in die Brühe. Aus Sicht der TCM leitet er Hitze und Feuchtigkeit etwas stärker aus als der Knollensellerie – gut, wenn man zu Wassereinlagerungen oder innerer Unruhe neigt.
- Frühlingszwiebeln oder Lauch (vor allem der weisse Teil): bewegen die Energie, wärmen die Oberfläche und helfen, alte Kälte auszuleiten. Sie geben der Suppe eine feine, aromatische Tiefe.
Welche Suppe passt zu Ihnen?
Die Hühnersuppe ist die sanftere, leichtere Variante: gut bei geschwächter Verdauung, nach einem Infekt oder wenn Hitzewallungen im Vordergrund stehen. Die Rindfleischsuppe ist kräftiger und nährt tiefer: gut bei ausgeprägter Erschöpfung, bei Kälte und in den Wechseljahren.
Welche Lebensmittel zu Ihrer Konstitution passen, bespreche ich gerne mit Ihnen in einer TCM-Ernährungsberatung. Einen ersten Überblick gibt meine Ernährungstabelle nach den fünf Elementen (PDF).
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