Migräne und Kopfschmerzen:
mit Akupunktur zu weniger Attacken
Welche Kopfschmerzformen sich behandeln lassen
In der Praxis begegnen mir vor allem:
- Migräne mit und ohne Aura
- Spannungskopfschmerzen
- Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen
- hormonell bedingte Migräne rund um den Zyklus oder in den Wechseljahren
- Kopfschmerzen bei Stress und Anspannung
- Kopfschmerzen mit Schlafstörungen
- wetterbedingte Kopfschmerzen
In meiner Praxis begegnen mir Spannungskopfschmerzen deutlich häufiger als Migräne: ein dumpfer, drückender Schmerz, oft beidseitig, der sich wie ein enges Band um den Kopf legt. Er beginnt meist im Nacken und in den Schultern – bei langer Bildschirmarbeit, unter Anspannung oder nach zu wenig Schlaf. Anders als eine Migräneattacke zwingt er selten ins abgedunkelte Zimmer, kann aber über Wochen anhalten und zermürben.
Bei der Migräneprophylaxe gehört Akupunktur zu den besser untersuchten Anwendungen der Chinesischen Medizin. Wie gut die Studienlage ist, lesen Sie unten in den häufigen Fragen. Das heisst nicht, dass es bei jedem wirkt. Wie Sie reagieren, zeigt sich in den ersten Wochen.
Nicht behandeln, sondern weiterverweisen, würde ich bei Clusterkopfschmerz und bei allem, was neurologisch abgeklärt gehört – dazu unten mehr.
Wie die Chinesische Medizin Kopfschmerzen versteht
Die TCM unterscheidet Kopfschmerzen nicht nach der Diagnose, sondern danach, wo sie sitzen, wie sie sich anfühlen und was sie auslöst. Daraus ergeben sich unterschiedliche Muster:
- Pochender Schmerz an Schläfe oder Auge, oft mit Reizbarkeit und verstärkt durch Stress: In der TCM steigt hier Wärme nach oben, die sonst unten gehalten würde.
- Dumpfer, ziehender Schmerz im Nacken und Hinterkopf: Hier steht die Spannung im Vordergrund, der Schmerz folgt dem verspannten Gewebe nach oben.
- Schwerer, benommener Kopf, oft bei feuchtem Wetter oder nach schwerem Essen: Die TCM spricht von Feuchtigkeit, die den Kopf trüb macht.
- Schmerz mit Erschöpfung, besonders gegen Abend oder nach Anstrengung: Hier fehlt Substanz, der Kopf wird nicht mehr ausreichend versorgt.
Das ist ein Arbeitsmodell für die Behandlung, keine schulmedizinische Diagnose. Sein Nutzen: Zwei Menschen mit derselben Migränediagnose bekommen bei mir zwei verschiedene Behandlungen.
So behandle ich Migräne und Kopfschmerzen
Am Anfang steht ein Erstgespräch von rund 90 Minuten mit Anamnese, Puls- und Zungendiagnose. Ich frage genau nach: wo der Schmerz sitzt, wann er kommt, was ihn auslöst, wie Sie schlafen, wie oft Sie Schmerzmittel nehmen.
Ihr Behandlungskonzept besteht meist aus mehreren Bausteinen:
- Akupunktur zur Beruhigung und zum Lösen von Stauungen
- Chinesische Kräutermedizin als individuelle Rezeptur
- Tuina-Massage, Schröpfen oder Gua Sha bei Nacken- und Schulterverspannung
- Ernährungsberatung, wenn Auslöser im Essen liegen
Ein Kopfschmerztagebuch ist dabei elementar: Es zeigt schwarz auf weiss, ob die Attacken seltener werden, und es hilft mir, Ihre persönlichen Auslöser zu finden. Was eine Behandlung kostet und wie ein Termin abläuft, lesen Sie unter Ablauf und Kosten.
Ein Verlauf aus meiner Praxis
Ausgangslage: Ein 42-jähriger Patient kam mit länger anhaltenden Nacken- und Kopfschmerzen in die Praxis. Morgens war der Nacken am schlimmsten. Die Schmerzen liessen zunächst rasch nach, kehrten aber im Laufe des Arbeitstages zurück und gingen in belastende Kopfschmerzen über.
Ursache: Neben dem langen Liegen, das die Nackenmuskulatur über Nacht zusammendrückte, spielten Raumluft und Ergonomie am Büroarbeitsplatz eine Rolle: Das Gebäude hatte eine Lüftungsanlage und keine Fenster zum Öffnen, was den Nacken empfindlich machte.
Behandlung: Wir behandelten mit Akupunktur und Tuina-Massage, insgesamt neun Sitzungen. Zudem riet ich ihm, zum Schutz des Nackens ein Seidentuch zu tragen und seinen Arbeitsplatz leicht anzupassen, was zum Glück möglich war.
Verlauf: Dem Nacken geht es heute deutlich besser, und auch die Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgingen, sind stark zurückgegangen. Morgendliche Verspannungen treten nur noch selten auf. Bei Bedarf kommt der Patient für einzelne Erhaltungssitzungen.
Fazit: Spannungskopfschmerzen hängen oft eng mit Verspannungen im Nacken zusammen. Die TCM verspricht keine Wunder, kann aber zusammen mit gezielter Massage und kleinen Anpassungen im Arbeitsalltag spürbar und anhaltend entlasten.
Weitere Erfahrungen: Was Patientinnen und Patienten schreiben
Häufige Fragen zu Migräne und Kopfschmerzen
Hilft Akupunktur wirklich bei Migräne?
Akupunktur zur Migränevorbeugung ist vergleichsweise gut untersucht. In der bislang umfassendsten Auswertung von 22 Studien halbierte sich die Zahl der Kopfschmerztage bei 41 von 100 Behandelten, gegenüber 17 von 100 ohne Akupunktur; gegenüber vorbeugenden Medikamenten schnitt Akupunktur ähnlich gut ab, bei weniger Nebenwirkungen. Eine verständliche deutschsprachige Einordnung dieser Studien – und auch derer zu Spannungskopfschmerzen – bietet Cochrane Österreich. Für Sie persönlich lässt sich daraus keine Garantie ableiten. Sinnvoll ist, nach acht bis zehn Sitzungen anhand Ihres Kopfschmerztagebuchs ehrlich Bilanz zu ziehen.
Hilft Akupunktur auch bei Spannungskopfschmerzen?
Ja – die Studienlage ist hier sogar etwas deutlicher als bei Migräne. In einer Auswertung von 12 Studien mit rund 2350 Teilnehmenden halbierte sich die Zahl der Kopfschmerztage bei 48 von 100 Behandelten, gegenüber 17 von 100 ohne Akupunktur. Spannungskopfschmerzen hängen häufig mit Verspannungen in Nacken und Schultern zusammen – deshalb kombiniere ich die Akupunktur hier oft mit Tuina-Massage, Schröpfen oder Gua Sha.
Wie viele Behandlungen brauche ich?
Meist eine Serie von 10 bis 12 Sitzungen, zu Beginn wöchentlich. Bei hartnäckiger Migräne ist danach oft ein weiterer Zyklus von 10 bis 12 Sitzungen nötig – das besprechen wir situationsbezogen miteinander. Migräne braucht Geduld: Eine Veränderung zeigt sich in der Regel nicht nach der zweiten Sitzung, sondern über mehrere Wochen.
Kann ich meine Migränemedikamente weiter nehmen?
Ja, und Sie sollen es auch. Die Behandlung ist eine Ergänzung, kein Ersatz. Triptane oder eine ärztlich verordnete Prophylaxe setzen Sie nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Sagen Sie mir im Erstgespräch, was Sie einnehmen – bei chinesischen Kräuterrezepturen muss ich das wissen.
Ich nehme sehr oft Schmerzmittel. Ist das ein Problem?
Möglicherweise ja. Wer an mehr als zehn bis fünfzehn Tagen im Monat Schmerzmittel nimmt, kann dadurch selbst Kopfschmerzen unterhalten – ein sogenannter Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz. Das ist häufig und wird oft übersehen. Wenn das auf Sie zutrifft, gehört es zuerst ärztlich abgeklärt; die Begleitung durch die TCM ist dabei sinnvoll, ersetzt die Abklärung aber nicht.
Können meine Kopfschmerzen vom Nacken kommen?
Häufiger, als viele denken. Verspannungen in Nacken und Schultern, oft durch Bildschirmarbeit, strahlen in den Hinterkopf aus und können auch Migräne begünstigen. Hier arbeite ich zusätzlich mit Tuina-Massage, Schröpfen oder Gua Sha.
Was kann ich im Alltag selbst tun?
Regelmässigkeit hilft mehr als alles andere: feste Schlafens- und Essenszeiten, keine ausgelassenen Mahlzeiten, ausreichend Wasser. Koffein in Massen und vor allem gleichmässig – der Entzug am Wochenende löst bei vielen die Attacke aus. Ein Kopfschmerztagebuch über vier Wochen zeigt Ihre persönlichen Auslöser oft deutlicher als jede allgemeine Liste.
Wann sollte ich mich zuerst ärztlich untersuchen lassen?
Sofort ärztlich abklären lassen sollten Sie einen schlagartig einsetzenden, noch nie erlebten heftigen Kopfschmerz, Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteife, mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, nach einem Sturz auf den Kopf, sowie einen Kopfschmerz, der über Wochen stetig zunimmt oder erstmals nach dem fünfzigsten Lebensjahr auftritt. Auch bei Verdacht auf Clusterkopfschmerz gehört die Diagnose in neurologische Hände. Ich arbeite eng mit der Schulmedizin zusammen und verweise Sie bei Bedarf weiter. Wo meine Arbeit aufhört und ärztliche Hilfe gefragt ist, habe ich auf der Seite Grenzen der TCM ausführlich beschrieben.
Ob chronische Spannungskopfschmerzen oder anfallsartige Migräne – die Ursachen reichen von hormonellen Einflüssen über muskuläre Verspannungen bis hin zu Stress. Eine fundierte, neutrale Übersicht zu den verschiedenen Kopfschmerzarten, ihren Auslösern und den schulmedizinischen wie ergänzenden Therapieansätzen bietet beispielsweise das Gesundheitsportal NetDoktor zum Thema Kopfschmerzen.
Kosten und Krankenkasse
Erstkonsultation CHF 225.– (rund 90 Minuten), Folgebehandlung CHF 150.– (rund 60 Minuten).
Die meisten Zusatzversicherungen für Komplementärmedizin übernehmen einen Teil der Kosten. Ich bin beim EMR registriert und Mitglied beim NVS.